| Dr. Silke Gatenbröcker

Bedeutende Neuzugänge

Zwei neue Kunstwerke für die Gemäldesammlung

Ankauf eines Gemäldes von Francesco Zuccarelli und von Pascha Johann Friedrich Weitsch

Kürzlich konnten wir zwei Gemälde erwerben, es sind wichtige Ergänzungen unserer Sammlung.

Besonders hervorzuheben ist die wohl um 1760-1770 entstandene Italienische Landschaft mit Hirten. Sie stammt vom venezianischen Meister Francesco Zuccarelli (1702-1788), von dem wir bislang kein Gemälde besaßen.

Auch in anderen deutschen Galerien findet man seine Werke nur selten. Das liegt wohl v.a. daran, das Zuccarelli seine heiteren Landschaften vor allem für italienische und englische Sammler malte. Diese schmückten ihre Landsitze und Paläste damit aus. Zuccarelli, der eigentlich aus der Toscana stammte, machte zuerst in Venedig Karriere und wurde dort von dem englischen Konsul Joseph Smith nach England vermittelt. In London war Zuccarelli der Mitbegründer der berühmten Royal Academy of Arts, und auch in Venedig zählte er zu den Mitbegründern der Kunstakademie.

In London scheint man nur auf ihn gewartet zu haben, er fand begeisterte Sammler, allein das englische Königshaus besitzt nach Ausweis des Oeuvreverzeichnisses von Zuccarelli rund 30 Gemälde von ihm. Der Künstler bediente die Sehnsucht der Aristokratie nach einem einfachen und entspannten Leben auf dem Land, ohne gesellschaftliche Zwänge und stärker mit der Natur verbunden. Bei den Hirten und Bauern meinte man, ein auf die grundlegenden Dinge reduziertes, einfaches Leben sehen zu können. Die Idee geht eigentlich auf die klassische Antike zurück, wo Philosophen und Dichter das Land „Arkadien“ erfanden, in dem die einfachen Schäfer und Hirten das glücklichste Leben hatten. – Das Thema scheint momentan aktueller denn je, schaut man sich die gegenwärtigen Tendenzen der Städter zum Leben auf dem Dorf an. Auch viele Mitglieder unserer modernen, stressgeplagten Gesellschaft träumen wieder von einem ruhigeren, nachhaltigen oder ökologischeren Leben auf dem Land.

Das Gemälde von Zuccarelli hängt seit Neuestem in der Galerie, im kleineren Raum mit Werken der italienischen Malerei, den wir dafür etwas umgestaltet haben. Schauen Sie selbst, wie es sich dort einfügt!

Daneben gelangte im gleichen Zug das „Nächtliche Dorf mit brennendem Bauernhaus“ von Pascha Johann Friedrich Weitsch (1723-1803) in unser Haus. Zwar besitzen wir schon eine Reihe seiner Werke, aber dieser Zugang ist dennoch besonders wertvoll und erwünscht. Denn es handelt sich vermutlich um ein Gegenstück zu einer bereits seit langem in unserem Haus bewahrten  „Mondscheinlandschaft. Nun sind beide Werke wieder vor Ort vereint. Da die Mondscheinlandschaft 1763 datiert ist, können wir auch das nun angekaufte Werk so datieren.

Weitsch war seinerzeit nicht nur Hofmaler in Braunschweig, sondern er betreute auch als sogenannter „Gallerie-Intendant“ die Gemäldegalerie im fürstlichen Lustschloss Salzdahlum. Weitsch hatte nicht an einer Kunstakademie studiert, wurde aber vom Herzogshaus gefördert und nutzte seinen Zugang zur fürstlichen Gemäldesammlung zum eigenständigen, autodidaktischen Studium.  Besonders die niederländischen Landschaften nahm er sich als Vorbild, wie man z.B. im Vergleich zu einer Nachtlandschaft in unserer Sammlung von dem Holländer Aert van der Neer (1603-1677) sehen kann. Mit dieser Methode hat er es schließlich zu einem sehr professionellen Niveau gebracht, er zählt zu den angesehensten deutschen Landschaftsmalern seiner Zeit.

 Anders als bei dem idealisierten Gemälde von Zuccarelli spricht Weitsch mit seiner detaillierten Schilderung die echten Nöte einer armen Landbevölkerung an. Zwar orientiert auch er sich in einer romantisierenden Weise an den malerischen Effekten einer solchen Szene, aber er schildert in vielen Einzelheiten auch das Drama, dass sich für die Menschen in dieser Situation ereignet.

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