| Robert Hintz und Dominique Ortmann

Bewahren der Vergangenheit für die Zukunft

Das Grüne Zentraldepot

Das Landesmuseum besitzt zehn Sammlungsbereiche, in denen seit 130 Jahren Objekte mit Bezug zur Geschichte der Menschen und zum Braunschweiger Land gesammelt werden. Rund 2,5 Jahre dauerten die aufwendige Planung und der umfangreiche Objekt-Transport in ein Zentraldepot, in dem ab sofort historische Objekte und Zeugnisse aus mehreren Jahrhunderten ihren Platz finden (siehe Blogbeitrag „Das ist aller Anstrengung wert: Ein Museum zieht um“). Vom fünf Zentimeter großen Zinnsoldaten bis zum 3,90 Meter hohen und 1.340 Kilogramm schweren sogenannten „Eisernen Heinrich“ aus dem Jahr 1915 (siehe Blogbeitrag „Der Eiserne Heinrich – Das Grundrezept“) werden hier etwa 500.000 Objekte und Kunstwerke sicher deponiert und somit für die Zukunft bewahrt.

Damit die Objekte unter optimalen Bedingungen gelagert werden können, war es notwendig, das heute als Zentraldepot genutzte Gebäude aus den 70er Jahren zu ertüchtigen und auf die museale Nutzung als Depot anzupassen. Bevor also die Sanierung begann, wurde überprüft, welchen Einfluss zum Beispiel Erdreichtemperaturen, eine Reduktion der Sonneneinstrahlung oder auch die Verwendung von bestimmten Materialen für die Bausubstanz auf das spätere Raumklima haben könnten. Ein großer Dank geht hier an die Firma Käferhaus, Wien, und Streiff, Braunschweig, für die Durchführung der Simulation, Planung und Umsetzung. Unter Verwendung von größtenteils mineralischen Materialien und dem Einbau von intelligenter Haustechnik entstand ein „Raum im Raum“ (das sogenannte Box-in-Box-System), das dazu dient, ein möglichst träges und stabiles Klima zu erzeugen und den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren.

Die zweigeschossige Regalanlage (die sogenannte TwinSpace Fahrregalanlage), deren einzelne Wagen per Kettenzug elektronisch bewegt werden können, bietet den Objekten und ihren „Bedürfnissen“ auf ca. 5.550 laufenden Metern Regalfläche ausreichend Platz. Die einzelnen Regalfelder bieten optimale Lagerungsmöglichkeiten mit Schubladen, Einlegeböden, Gemäldefachteilern und Garderobenstangen. Um die doppelgeschossigen Wagen bei maximaler Auslastung von mehreren Tonnen Gewicht bewegen zu können, bedarf es lediglich einer Wattleistung, die vergleichbar ist mit der eines Föhns. In einem anderen Bereich des Gebäudes steht eine Gitterzuganlage für großformatige Gemälde mit über 1.000 Quadratmetern Fläche, an denen mehrere hundert Gemälde aufgehängt werden. Darüber hinaus liegt ein eigener Bereich für die Grafiken mit mehreren Dutzend Grafikschränken vor.

Transportiert wurden sämtliche Museumsobjekte größtenteils in Standardgebinden auf Euronormpaletten, nur wenige Ausnahmen brauchten größere Sondermaße. Einige wenige Objekte, die zu groß für die TwinSpace Fahrregalanlage sind, verbleibend freistehend im Raum bzw. in einem Weitspann- und einem Freiarmregal.

Es handelt sich hierbei um Lagertechnik, die zu einem großen Teil auch in der Industrie Verwendung findet und für den Museumssektor angepasst ist. Ziel war es, mit der eingesetzten Lagertechnik das vorhandene Raumvolumen möglichst effektiv auszunutzen. Dafür bieten sich in solch weitläufigen Bereichen Fahrregale an. Viele Objekte sind nun in Archivboxen, Euronormbehältern und säurefreien, alterungsbeständigen und in Standardgrößen angefertigten Museumskartonagen eingepackt, die  ebenfalls für eine optimale Verpackung und Sicherung der Objekte sorgen. Hier wurde nachhaltig gedacht, denn die Objekte verbleiben in den Verpackungen und sind so zur optimalen Einlagerung geeignet. Außerdem müssen sie bei Umlagerungen nicht erneut direkt angefasst werden, was jedes Mal eine Belastungsprobe für museale Objekte darstellt. Andere Transportverpackungen, wie zum Beispiel Luftpolsterfolie, werden für die Umlagerung weiterer Magazinbereiche des Landesmuseums wiederverwendet.

Die oben aufgeführten Maßnahmen zur Ertüchtigung des Gebäudes, die Reduzierung des Energieverbrauchs und die damit verbundene Verringerung unseres musealen CO2-Fußabdrucks, die Verwendung von bestimmten Materialien und die Wiederverwendung von Verpackungsmaterialen stehen ganz im Zeichen eines „Grünen Zentraldepots“.

Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, fasst es treffend  zusammen: „Das neue ‚grüne‘ Depot bietet eine hervorragende, energieeffiziente und zukunftsorientierte Lagermöglichkeit für die umfangreichen Sammlungsbestände des Braunschweigischen Landesmuseums. Hier wurde ein zentraler Ort geschaffen, der eine langfristige Perspektive für die Archivierung und Bearbeitung der Sammlung bietet und auf diese Weise die Infrastruktur des Museums deutlich verbessert.“

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