| Dominique Ortmann und Robert Hintz

Der Eiserne Heinrich - Das Grundrezept

50 Pfennig bis 300 Reichsmark für einen Nagel

Viele von euch kennen bestimmt den sogenannten „Eisernen Heinrich“, die fast 4 m hohe Großfigur, die lange Zeit im Forum des Vieweghauses stand.
Wie entstand diese Figur und vor allem wie transportiert man eine knapp 1.400 kg schwere Figur? (Das gleiche Gewicht besitzt ein mittelschweres Flusspferd!)
Diesen Fragen widmen wir uns im folgenden Artikel:
Habt ihr euch schon immer mal gefragt, wie die Zusammensetzung von musealen Großobjekten ist? Dann folgt hier die Schritt für Schritt Anleitung.

Für einen Nagelheinrich à 1.352 kg:

  • 3,8 m hohe Holzfigur
  • mehrere Tausend Nägel aus Eisen, Messing, Silber und Gold
  • Hammer zum Einschlagen der Nägel
  • Podest
  • Ausgleichsplatte

Für den Transport:

  • 6,5 m hohes Gerüst
  • 4 Restaurator*innen
  • (Ketten-)Flaschenzug mit Schlupfgurten
  • Stahlrohre
  • Planken
  • Fahrbares Gestell auf Rollen
  • Kranwagen

1. Figur erstellen

Der Kern der Figur besteht aus unbehandeltem afrikanischen Weißholz. Aus dem langen Stamm der heute seltenen Baumarten wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Figur und der Sockel geschnitzt. Wenn beide Komponenten miteinander verbunden sind, konnte die Figur mit Nägeln verziert werden.
Aber ein solches großes und eher sperriges Objekt musste im Zuge des Umzugs des Braunschweigischen Landesmuseums bewegt werden. Wie ist das geschehen?

Eine Anleitung hierzu folgt:

2. Gerüstaufbau

Mehrere lange Rohre und Kupplungen werden zu einem Stahlrohrgerüst zusammengesteckt. So entstehen drei Gerüstetagen mit je 2 m Höhe. Weiterhin werden Planken eingehängt, die sowohl das Stehen, Gehen als auch Sitzen ermöglichen.

3. Hinlegen

Um einen optimalen Schwebezustand der Holzfigur zu erreichen, werden Schlupfgurte um die Figur gelegt und mit einem Kettenflaschenzug verbunden.

Sobald die gewünschte Höhe erreicht ist, werden Gurte im unteren Bereich der Figur angelegt und an einem zweiten Flaschenzug montiert.

In dieser Videosequenz seht ihr, wie die Flaschenzüge zum Einsatz kommen.

4. Transport

Sobald die Holzfigur auf dem fahrbaren Gestell liegt, kann sie verschoben werden.

Hierbei muss bedacht werden, dass dieses fast 4,5 m lange und 2,5 m breite ‚Gefährt‘ am ehemaligen Standort vom Vieweghaus am Burgplatz wie auch im neuen Zentraldepot durch mehrere Nadelöhre wie Türen und um Ecken durchpassen muss.

5. Aufrichten

Nun wird Schritt 2 wiederholt, dabei geht es von der Liegeposition in die Senkrechte. Auch hier muss natürlich erst einmal ein Gerüst aufgestellt werden, um die Flaschenzüge verwenden zu können. Klingt ganz simpel, oder?

Da der Nagelheinrich seinen CO2-Fußabdruck bei der nächsten Fahrt reduzieren möchte, wird er sich sicherlich ein anderes Fahrzeug aus dem Fuhrpark aussuchen.

Hier noch ein paar Fakten zum historischen Hintergrund des Objektes:

Während des ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde in vielen Städten die zivile Bevölkerung dazu aufgefordert, Spenden für Soldaten an der Front und für Lazarette aufzubringen. Zu diesem Zwecke entwarf Prof. Arnold Kramer eine Holzfigur nach Motiv von Heinrich dem Löwen mit Schwert und Schild (Motive wie die von Herrschenden wurden und werden gern identitätsstiftend genutzt). Am 05.12.1915 wurde „Heinrich der Löwe in Eisen“ feierlich  vor dem Residenzschloss in Braunschweig eingeweiht.

Die Bürger hatten nun die Möglichkeit der Figur eine Rüstung aus Nägeln anzulegen. Die Nägel bestanden aus  Eisen, Messing, Silber und Gold zum Preis von 0,50 bis 300 Mark und besserten so die Kriegskasse auf. Der so genannte Nagelheinrich ist somit ein Kriegsdenkmal.

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