| Dr. Sarah Babin

Galka Scheyer

Ein Leben für die Kunst

Beitrag zur Blogparade "Frauen und Erinnerungskultur"

Als wir von der großartigen Blogparade Frauen und Erinnerungskultur erfuhren, mussten wir nicht lange überlegen, welche Frau wir der Öffentlichkeit wieder ins kollektive Gedächtnis rufen wollen. Denn: Das Städtische Museum Braunschweig und wir, das HAUM, bereiten gerade eine Ausstellung zu einer äußerst faszinierenden Frau aus der Kunstwelt vor, die jedoch leider oft vergessen wird: Galka Scheyer.

Gerade in Deutschland kennt kaum jemand die jüdische Kunsthändlerin und Mäzenin Galka Scheyer. In den USA sieht es schon wieder anders aus. Aber der Reihe nach.

Galka Scheyer wird als Emilia Scheyer 1889 in Braunschweig als Tochter eines Konservenfabrikanten geboren. Der kleinbürgerlichen Enge Niedersachsens entflieht sie schnell in die Metropolen Europas: sie studiert Sprachen in Oxford, Paris und Brüssel. Früh entdeckt sie auch ihre künstlerischen Fähigkeiten und widmet sich zudem dem Studium der Malerei, das sie auch in die  Künstlerkolonie am Monte Vérita führt. Auf einer Ausstellung erfährt Galka Scheyer ihren Schlüsselmoment, der ihr ganzes Leben verändern wird: Sie sieht das Kunstwerk Der Buckel von Alexej Jawlensky (Privatsammlung, Locarno) und ist so überwältigt, dass sie beschließt, ihre eigene künstlerische Karriere aufzugeben und sich ganz in den Dienst dieses Malers zu stellen und ihn groß zu machen. Jawlensky und Scheyer verband seitdem aber auch eine Freundschaft. Er gibt ihr den Kosenamen „Galka“, russisch Dohle, den sie in Amerika zu ihrem Vornamen macht.

Doch es bleibt nicht bei der Unterstützung eines einzigen Malers. Sie ist die Meisterin des Networkings und lernt, einmal in der Kunstszene zuhause, immer mehr Künstler kennen. Neben Jawlensky faszinieren sie vor allem die Werke dreier weiterer Künstler, die allesamt am Bauhaus beheimatet sind: Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. 1924 entschließt sie sich, das Werk dieser Künstler in Amerika zu propagieren und gründet mit ihnen die Verkaufsgemeinschaft der Blauen Vier (The Blue Four). Zunächst lebt sie an der Ostküste in New York, doch dann wittert sie Hollywood. Sie zieht in die Stadt der Filme und hofft dort, die vielverdienenden Schauspieler, Regisseure und Kunstliebhaber wie Edward G. Robinson oder Charlie Chaplin für moderne Kunst begeistern zu können.

Wie es ihr in der Stadt an der Westküste erging, die ab 1933 auch ein Exil der vielen Intellektuellen der Weimarer Republik wurde, das möchten wir der für Ende 2022 geplanten Ausstellung nicht vorweggreifen. Lieber möchten wir als kleinen Vorgeschmack aus einem ihrer vielen Briefe zitieren:

„Das Haus auf der blauen Hoehe [mit] den herrlichen Kunstwerken der Blauen Koenige hat sogar die scheue Greta Garbo angelockt. Sie war bezaubert und bezaubernd und lief wie ein Kind von Bildern zu Blumen und freute sich an allem und seufzte: "Ach wenn ich doch auch einmal so leben koennte".“

(Zitiert nach Isabel Wünsche (Hrsg.), Galka E. Scheyer & Die Blaue Vier, Briefwechsel 1924–1945, Bern 2006, S. 283)

Ihre Briefe geben einen eindrucksvollen Einblick in ihr Leben in Hollywood und ihre Bemühungen um die Kunst. Scheyer gehört zu den faszinierendsten Frauen der damaligen Kunsthändlerszene. Doch warum kennt man sie nicht? In Deutschland war der Kunsthandel lange Zeit eine Männerdomäne. Die wenigen weiblichen Kunsthändlerinnen spielten nur eine geringe Rolle und gerieten in Vergessenheit, obgleich sie die großen Maler der klassischen Moderne vertraten und förderten.

Mit der geplanten Ausstellung wollen wir dies ändern und eine dieser Frauen aus der Vergessenheit holen, die dazu beitrug, in Amerika die Gedanken und Künstler der klassischen Moderne zu verbreiten.

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