Museum im Blick

Interview #1: Sebastian Radecker

Mit Hammer, Pinsel und Geduld: Arbeiten mit Fossilien

Fossilien freilegen, Ausstellungen aufbauen, bei Grabungen dabei sein und sogar mit einer Drohne arbeiten – der Beruf des paläontologischen Präparators ist sehr vielseitig. Sebastian Radecker vom Staatlichen Naturhistorischen Museum gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag und seinen Weg in den Beruf.

Jara: Hallo Sebastian! Danke, dass du dir Zeit für unser Gespräch nimmst! Könntest du dich kurz vorstellen und erzählen, was deine Aufgaben im Museum sind?
Sebastian: Ich heiße Sebastian Radecker und arbeite seit 2009 als paläontologischer Präparator am Staatlichen Naturhistorischen Museum in Braunschweig. Zuvor absolvierte ich eine 3-jährige Ausbildung am Geomuseum der Universität Münster.
Zu meinen Aufgaben gehören, dass ich Fossilien mechanisch oder chemisch präpariere und sie konserviere. Ich baue Landschaften für Sonderausstellungen und helfe beim Aufbau und Abbau von Sonderausstellung mit, stelle Formen und Abgüsse von Originalfossilien her, koloriere1 Abgüsse, betreue Praktikant*innen, bin bei wissenschaftlichen Grabungen im In- und Ausland dabei, halte Führungen durch die Präparation für Besucher*innen und Studierende ab, stelle Lackprofile und fossile Anschliffe oder Acetat-Folienabzüge her, inventarisiere Fossilien, mache Fundberatung, bediene eine Drohne zur Vermessung der Grabungsstellen oder entwickle Präparationstechniken weiter. Außerdem bin ich ehrenamtlicher Grabungsleiter am Geopunkt Hondelage.


Jara: Was hat dich dazu gebracht, Präparator zu werden?
Sebastian: Mich hat die Verbindung aus Handwerk und Wissenschaft fasziniert, die dieser Beruf vereint, so bin ich über das Internet auf den Beruf gestoßen.

Jara: Was war die größte Herausforderung, die du bis jetzt hattest?
Sebastian: Da fällt mir die Bergung eines Ichthyosauriers Anfang Januar bei Minusgraden ein.


Jara: Und wieso genau war das deine größte Herausforderung?
Sebastian: Der Fund musste mittels Transfertechnik2 in Kunstharz eingebettet werden. Bei Schnee und Minusgraden härtet Kunstharz normalerweise schlecht oder gar nicht aus. Das hat die Arbeit deutlich erschwert.

Jara: Warum ist Präparation für Museen und die Forschung überhaupt wichtig?
Sebastian: Ohne Präparation könnten Museumsbesucher*innen viele Fossilien gar nicht bewundern, weil sie noch im Gestein verborgen wären. Auch für die Forschung ist die Präparation wichtig, damit Fossilien genau untersucht und beschrieben werden können.


Jara: Was begeistert dich an deinem Job am meisten?
Sebastian: Die abwechslungsreichen Aufgaben des Berufes!

Ausbildung und Einstieg in die Paläontologische Präparation

Ausbildung oder Studium

  • Für die Ausbildung wird in der Regel ein Realschulabschluss oder Abitur vorausgesetzt. 

Wichtige Fähigkeiten

  • Feinmotorik
  • Geduld
  • Handwerkliches Geschick
  • Belastbarkeit
  • Wissenschaftliches Interesse
  • Durchhaltevermögen 

Praktika und Einblicke

  • Ein guter Einstieg ist ein Praktikum in einer paläontologischen Präparationswerkstatt, um den Beruf und die Arbeitsabläufe kennenzulernen.

Glossar

1kolorieren: Unter Kolorieren versteht man die detailgenaue Rekonstruktion von ausgestorbenen Lebewesen mit Hilfe der Farben.

2Transfertechnik in Kunstharz eingebettet: Die Transfermethode ermöglicht die Fixierung bergfeuchter Fossilien zur Herstellung langfristig beständiger Präparate. Hierfür wird das Fossil zunächst mit Epoxidharz fixiert, anschließend wird das umgebende Lockersediment von  der Unterseite entfernt.

Ich bin Jara und absolviere derzeit mein FSJ Kultur in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Marketing der 3Landesmuseen Braunschweig. Für mein eigenständiges Projekt habe ich Kolleg*innen aus den unterschiedlichsten Museumsbereichen interviewt, um einen Blick hinter die Kulissen des Museumsalltags zu ermöglichen. Denn Museumsberufe sind oft viel abwechslungsreicher, als man auf den ersten Blick vermutet. Mit dieser Reihe möchte ich zeigen, wie spannend die Arbeit im Museum ist – und vielleicht auch den einen oder die andere für einen Beruf im Museum begeistern.

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