Museum im Blick

Interview #2: Britta Goldbach

Mit der Buchbinderei ins Museum?

Kennst du die Buchbinderei? Ein altes Handwerk, das sich in den mittelalterlichen Klöstern entwickelt hat, ist heute noch immer wichtig, auch wenn nicht mehr viel genutzt. Buchbinder*innen arbeiten bedruckte Papierbögen zu Büchern, Broschüren, Zeitschriften oder Mappen um und versehen diese mit Einbänden. Zu den Hauptaufgaben gehören das Falzen1, Heften und Binden von Seiten, sowie das Restaurieren alter Bücher und die individuelle, künstlerische Gestaltung von Bucheinbänden aus Materialien wie Leder oder Gewebe. 

Jara: Hallo Britta, schön, dass du Zeit für mich hast. Könntest du dich kurz vorstellen und deine Rolle im Museum beschreiben?
Britta: Mein Name ist Britta Goldbach. Ich bin von Beruf Buchbinderin und arbeite seit 25 Jahren hier im Herzog Anton Ulrich-Museum im Kupferstichkabinett2 in der Werkstatt und ich betreue die graphische Sammlung konservatorisch3.

Jara: Mit welchen Materialien oder Werkzeugen arbeitest du am häufigsten?
Britta: Hier in der Werkstatt arbeite ich mit Kartonagen4, Passepartout-Karton5, Karton an sich, wenig Kleber und die Werkzeuge sind Passepartout-Schneider, Falzbein1, Messer, Schere, Pappschere, Presse, Lineal, Bleistift.

Jara: Kannst du dich noch daran erinnern, was die schwierigste oder das aufwendigste Buch war, an dem du gearbeitet hast?
Britta: Ja, das war ein Sprungrückenbuch.

Jara: Was macht so ein Buch besonders schwierig?
Britta: Das Sprungrückenbuch ist eine spezielle Einbandtechnik, die früher vor allem für Konten- und Geschäftsbücher genutzt wurde. Egal auf welcher Stelle des Buches du es aufschlägst, es muss immer eine gerade Fläche sein zum Schreiben, sodass man also von der linken Seite bis auf die rechte Seite rüber schreiben kann. Und das ist bei einem Sprungrückenbuch gegeben. Die Herstellung eines Sprungrückenbuches ist sehr aufwendig. Die Einbandtechnik unterscheidet sich deutlich von anderen Buchbindungen und erfordert viel handwerkliches Können.

Jara: Was begeistert dich an deinem Job am meisten, sowohl als Buchbinderin, als auch im Museum?
Britta: Also, ich arbeite einfach gerne mit den Materialien Papier, Gewebe, bunte Papiere. Ich finde es schön, aus diesen Materialien einen Einband herzustellen, dem Buch wieder eine schöne Form zu geben oder Kästen zu bauen. Und hier in diesem Bereich binde ich ja keine Bücher mehr ein, aber hier finde ich die Arbeit abwechslungsreich. Ich arbeite gerne mit den Druckgraphiken. Die Druckgraphiken ausstellungsfähig zu machen, den ganzen Arbeitsablauf von Anfang bis Ende einfach mitgestalten zu können. Vom Raussuchen aus der Sammlung, anschauen, passepartourieren, rahmen, ausstellen und wieder zurückräumen.

Ausbildung und Einstieg als Buchbinder*in / Restaurator*in

Ausbildung oder Studium

  • Buchbinder*in (Handwerk): dreijährige duale Ausbildung. Ein Studium ist nicht erforderlich. Ein bestimmter Schulabschluss ist zwar nicht vorgeschrieben, viele Betriebe bevorzugen jedoch Bewerber*innen mit einem guten Hauptschulabschluss oder einem höheren Abschluss.
  • Papier- oder Grafikrestaurator*in (Museum): Für diese Tätigkeit ist in der Regel ein entsprechendes Studium erforderlich. 

Wichtige Fähigkeiten

  • Geduld  
  • Geschick im Umgang mit Papier
  • Genauigkeit sowie ein gutes Augenmaß für Abstände und Proportionen 

Praktika und Einblicke

  • Ein guter Einstieg ist ein Schulpraktikum. Darüber hinaus lohnt es sich, bei Buchbindereien sowie in (Universitäts-)Bibliotheken nach weiteren Praktikumsmöglichkeiten zu fragen, um den Beruf kennenzulernen.

Glossar

1Falzbein und Falzen: Das Falzbein ist ein traditionelles Werkzeug der handwerklichen Papierverarbeitung. Es findet überwiegend im Buchbinderhandwerk sowie im grafischen Gewerbe Verwendung. Es ist ein flaches, meist 12 bis 20 cm langes Werkzeug aus Tierknochen, Kunststoff oder Teflon. Das arbeiten mit diesem Werkzeug nennt man daher Falzen

2Kupferstichkabinett: Ein Kupferstichkabinett (Grafische Sammlung) ist die Museumsabteilung für Zeichnungen und Druckgrafiken. Es bewahrt vor allem Werke auf Papier wie Skizzen, Kupferstiche, Radierungen, Aquarelle und illustrierte Bücher auf. Da Papier lichtempfindlich ist, werden die Werke geschützt gelagert und meist nur in wechselnden Ausstellungen oder Studiensälen gezeigt.

3konservatorisch: Konservatorisch bedeutet die Bewahrung und Erhaltung von z.B. Kunstwerken oder Büchern

4Kartonagen: Unter Kartonagen versteht man alle fertigen Verpackungen und Endprodukte aus Karton, Pappe oder Wellpappe

5Passepartout-Karton: Ein Passepartout-Karton ist ein spezieller, meist holzfreier Karton mit einem Innenausschnitt, der in einen Bilderrahmen zwischen das Glas und das Kunstwerk gelegt wird. Er dient sowohl der ästhetischen Präsentation als auch dem Schutz des Bildes vor Feuchtigkeit und Beschädigungen.

Ich bin Jara und absolviere derzeit mein FSJ Kultur in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Marketing der 3Landesmuseen Braunschweig. Für mein eigenständiges Projekt habe ich Kolleg*innen aus den unterschiedlichsten Museumsbereichen interviewt, um einen Blick hinter die Kulissen des Museumsalltags zu ermöglichen. Denn Museumsberufe sind oft viel abwechslungsreicher, als man auf den ersten Blick vermutet. Mit dieser Reihe möchte ich zeigen, wie spannend die Arbeit im Museum ist – und vielleicht auch den einen oder die andere für einen Beruf im Museum begeistern.

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