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Museum im Blick
Interview #3: Christoph Bongert
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Beim Ausstellungsaufbau mitwirken oder vielleicht bei der Sammlungsdokumentation helfen? In diesem Interview erfährst du was die FSJler*innen der 3Landesmuseen Braunschweig machen, was ihre Gründe dafür waren ein FSJ anzufangen und was für Herausforderungen sie bewerkstelligt haben.
© Jara Paulina Martens
© Jara Paulina Martens
Jara: Könntet ihr euch kurz vorstellen und erzählen was ihr im Museum macht?
Kim: Hi, klar! Ich bin Kim, 20, habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und mache jetzt mein FSJ Kultur im Herzog Anton Ulrich-Museum. Dort habe ich zwei Bereiche – die Bibliothek und das Kupferstichkabinett (KK). Die Bereiche sind sehr verschieden – in der Bibliothek habe ich eher routinierte Aufgaben, z.B. das Betreuen von Benutzer*innen oder die Online-Katalogisierung in einer Datenbank, während im KK jeder Tag anders ist. Manchmal kann ich aber auch beim Vorbereiten und Aufbauen von Ausstellungen mithelfen. Das bedeutet z.B. Daten zu Werken in einer Excel-Tabelle einpflegen, Originale betrachten und sie vor- oder nachbereiten, den Katalog Korrekturlesen oder auch bei unserer Buchbinderin einen Kasten oder eine Eckspannermappe bauen. Die Aufgaben sind sehr vielfältig und spannend!
Johanna: Hallo! Mein Name ist Johanna Schmidt. Seit dem 1. September bin ich als FSJlerin am Braunschweigischen Landesmuseum im Bereich Sammlungsdokumentation. Dabei habe ich verschiedene Aufgaben: Meist erledige ich Datenbereinigung an der Datenbank, wenn ich Eintragungen erledige, Fotos hochlade oder Informationen über bestimmte Objekte hinzufüge. Auch die Mithilfe beim Fotografieren, Ausmessen und Beschreiben der Objekte im Zentraldepot gehört dazu. Hier arbeite ich direkt an den Objekten und habe die Möglichkeit sie aus nächster Nähe zu betrachten. Auch bei einem Ausstellungsaufbau habe ich bereits mitgeholfen, als die neue Ausstellung „Essen & Trinken“ am Standort Hinter Aegidien aufgebaut wurde. Darüber hinaus bekomme ich Zeit und Raum, um Projekte zu verwirklichen. Zum Beispiel erhielt ich die Möglichkeit ein eigenes Kinderbuch zu schreiben und zu illustrieren, was dazu beitragen soll, junge Menschen fürs Museum zu begeistern, dadurch dass es Kindern die neue Ausstellung spielerisch näherbringt. Auch einen eigenen Blogeintrag zum Thema „Provenienzforschung für Kinder“ durfte ich anlässlich des „Internationalen Tages der Provenienzforschung“ schreiben und auf der Museumswebsite veröffentlichen.
Jara: Wieso habt ihr euch entschieden ein FSJ zu machen?
Kim: Ich war mir noch nicht sicher, was genau ich beruflich machen sollte und wollte praktische Arbeitserfahrung sammeln und dabei den Kulturbereich näher kennenlernen. Dabei kann ich persönlich wachsen, mich gesellschaftlich einbringen und neues über die Arbeit in Museen lernen. Ich bekomme hier viele Einblicke und bin im Austausch mit anderen, was genau das ist, was ich mir erhofft habe!
Johanna: Nach der Schule habe ich mich für ein FSJ entschieden, da ich Einblicke in die Arbeitswelt bekommen wollte, bevor man im Studium oder in der Ausbildung weiterlernt. Den Arbeitsalltag kennenzulernen und Praxiserfahrungen zu sammeln ist hier am Museum möglich und ich habe den stetigen Austausch mit den Kolleg*innen. Außerdem bin ich geschichtlich sehr interessiert und kann mich für historische Objekte und ihre Geschichten begeistern. Historische Dokus, das Schreiben von Sütterlin und Kunst gehören zu meinen Hobbys und Interessen, weshalb das Museum so gut gepasst hat. Gerade das Landesmuseum mit seiner facettenreichen Sammlung verschiedenster Objekte fasziniert mich sehr und begeistert mich jeden Tag aufs Neue.
Jara: Was war bisher die größte Herausforderung für euch in eurem FSJ?
Kim: Zu Beginn fiel mir der Wechsel von einem in den anderen Bereich schwer, da sie von der Planbarkeit nicht unterschiedlicher sein könnten. Aber ich habe über die Zeit genau das zu schätzen gelernt – dass ich immer Abwechslung habe und dadurch über mich und mein Können hinauswachse – und auch mal schwerere Aufgaben übernehme, vor denen ich erst durch die große Verantwortung Respekt hatte.
Johanna: Alles war aufregend! Viele neue Gesichter, Namen und Abläufe waren anfangs herausfordernd, aber ich wurde super gut an die Arbeit herangeführt, eingearbeitet und hatte immer jemanden, den ich um Hilfe bitten konnte. Herausfordernd waren für mich vor allem die technischen Dinge: Die Struktur der Datenbank, die Fotobearbeitung oder die Organisation mit Outlook. Aber nach einiger Zeit war das alles kein Problem mehr.
Jara: Was hat euch euer FSJ für eure Zukunft mitgegeben? Habt ihr z.B. etwas Neues über euch gelernt?
Kim: Ja, durch mein FSJ konnte ich mit Kolleg*innen in den Austausch zu deren Lebensläufen, Studiengängen und Berufserfahrung kommen, sodass ich für mich ebenfalls eine berufliche Entscheidung treffen konnte. Außerdem habe ich ein wirklich tolles Umfeld und kann mich wirklich wie ich selbst fühlen und dabei mit Herausforderungen und Aufgaben, bei denen ich Verantwortung übernehmen muss, ein Stück wachsen. Zuletzt würde ich sagen, dass ich selbstbewusster und selbstständiger, aber auch mutiger geworden bin, da ich als mein FSJ-Projekt auch Führungen durch die Ausstellungen anbieten möchte.
Johanna: Das FSJ war eine wunderbare Bereicherung für mich und ich habe die Arbeit am Museum sehr genossen. Ich bekam verschiedene Aufgaben und anfangs war nicht immer alles gleich klar und ganz leicht. Mir hat mein FSJ für die Zukunft mitgegeben, dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn man anfangs noch nicht alles kann. Es ist in Ordnung, wenn man mal einen Kollegen um Rat bittet. Deswegen ist man keine schlechte Mitarbeiterin. Im Gegenteil – es ist eine Stärke, wenn man das Selbstbewusstsein entwickelt, Hilfe anzunehmen. Man muss nicht immer alles alleine schaffen. Nochmaliges Fragestellen bedeutet nicht, dass etwas zu schwierig ist, sondern dass man Verantwortung übernimmt und sich um die Erfüllung der Aufgabe kümmert.
Jara: Was würdet ihr anderen Jugendlichen sagen, die überlegen, ein FSJ zu machen?
Kim: Mach es! Ich bereue diese Entscheidung auf keinen Fall – man lernt so viel neues dazu, zum Beispiel was einem im Arbeitsalltag wichtig ist – das hilft bei der Berufswahl enorm. Außerdem verdient man bereits Geld, hat ein wenig Pause vom Lernen wie in der Schule oder im Studium, kann viele tolle Erfahrungen sammeln und tolle neue Menschen, sowohl an der Einsatzstelle, als auch bei den Seminaren kennenlernen.
Johanna: Traut euch! Natürlich ist ein FSJ aufregend und anders als Schule. Aber es lohnt sich. Selbst wenn anfangs alles neu und manchmal schwierig ist, sind das wertvolle Praxiserfahrungen, weil ihr den Arbeitsalltag und das kollegiale Verhältnis kennenlernt.
Jara: Würdest du ein FSJ im Museum weiterempfehlen – warum?
Kim: Absolut! Mir war vorher gar nicht bewusst, welche genauen Aufgaben und Menschen hinter den Kulissen stecken, es eröffnet neue Perspektiven und es macht riesen Spaß, zuzusehen und mitzuhelfen, wie Ausstellungen entstehen. Für mich hat es mein Erlebnis im Museum nachhaltig verändert und ich möchte, wenn möglich, weiterhin als Honorarkraft oder Ähnliches am HAUM bleiben.
Johanna: Natürlich! Bevor man direkt in Studium oder Ausbildung weiterlernt, sollte meiner Meinung nach jeder ein Jahr lang etwas für die Gesellschaft tun, sich selbst im Arbeitsleben besser kennenlernen und eigene Stärken entdecken dürfen. Ein Jahr hat man die Chance sich weiterzuentwickeln und sich vollkommen auf die eigene Person im Arbeitsleben zu konzentrieren, wobei für mich viel klarer wurde, was ich mir für meine berufliche Zukunft wünsche und wo meine Stärken liegen. So ein Jahr im Freiwilligendienst ist sehr aufregend, es lohnt sich und man wächst über sich hinaus.
Jara P. Martens absolviert ein FSJ Kultur bei den 3Landesmuseen Braunschweig.
Ich bin Jara und absolviere derzeit mein FSJ Kultur in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Marketing der 3Landesmuseen Braunschweig. Für mein eigenständiges Projekt habe ich Kolleg*innen aus den unterschiedlichsten Museumsbereichen interviewt, um einen Blick hinter die Kulissen des Museumsalltags zu ermöglichen. Denn Museumsberufe sind oft viel abwechslungsreicher, als man auf den ersten Blick vermutet. Mit dieser Reihe möchte ich zeigen, wie spannend die Arbeit im Museum ist – und vielleicht auch den einen oder die andere für einen Beruf im Museum begeistern.


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