| Olaf Wilde

Restaurator*innen

Die Alchimisten der Neuzeit

Zu der Sammlung des Braunschweigischen Landesmuseum gehören Objekte unterschiedlichster Materialien wie Metall, Holz, Keramik, archäologische Funde oder Gemälde. Heute lernen wir Olaf Wilde kennen, er ist der Metallrestaurator am Haus und bereits als Schüler begeisterte er sich für Objekte aus der Vergangenheit. Daher absolvierte er während seiner Schulzeit auch ein Praktikum am Braunschweigischen Landesmuseum in der archäologischen Abteilung in Wolfenbüttel. Nach seiner Ausbildung zum Schlosser und den Schulabschlüssen absolvierte Olaf Wilde die  Ausbildung zum archäologischen Restaurator im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Als staatlich geprüfter Restaurator war er im Anschluss als Restaurator für Kunsthandwerk und Archäologie am Landesmuseum Württemberg, Stuttgart tätig und dort unter anderem beteiligt an der Landesausstellung Baden-Württemberg im Zeitalter Napoleons (1987). Die Tätigkeit als Restaurator lockte Herrn Wilde allerdings auch auf eine Ausgrabung in Milet, Türkei. Seit April 1987 ist Herr Wilde am Braunschweigischen Landesmuseum für den Fachbereich Metall zuständig.

Diese Frage wurde Ihnen bisher vermutlich am häufigsten gestellt. Haben Sie während Ihrer Laufbahn ein Lieblingsobjekt restauriert?

Tatsächlich habe ich gar kein konkretes Lieblingsobjekt. Mir liegen zur Restaurierung so viele verschiedene Objekte vor, dass ich das gar nicht entscheiden könnte. Von einer Diphterie-Röhre die erst desinfiziert und dann konserviert wurde bis hin zu einer Handprothese habe ich so viele abwechslungsreiche Objekte restauriert oder auch konserviert, dass es eher das vielseitige Aufgabengebiet ist, welches meinen Beruf so spannend macht. Durch die abwechslungsreichen Objekte lernt man ständig Neues dazu. Manche Restaurierungsprojekte können sich auch über mehrere Jahre erstrecken, so habe ich zum Beispiel mal zwei Jahre an der Restaurierung von  ca. 17.000 Münzen aus dem Mittelalter gearbeitet. Spannend war auch die knifflige Aufgabe Truhen aus dem 17. Jahrhundert, deren Deckel durch missliche Zustände zugefallen waren, mit Hilfe eines nachgebauten Schlüssels wieder zu öffnen.

So spannend und abwechslungsreich wie sich Ihr Aufgabenfeld darstellt, so abwechslungsreich ist dann vermutlich auch die Restaurierung der verschiedenen Metalle und Metalllegierungen. Welche sind hier besonders anspruchsvoll zu restaurieren?

Das sind ganz klassisch Eisen, Kupfer und Bronze. Edelmetalle sind dagegen einfacher zu handhaben. Gold ist ganz wunderbar, da dies eine stabile Oberfläche aufweist. Andere Oberflächen werden gereinigt (von Korrosion befreit) und anschließend mit Lack konserviert, damit die entsprechenden Stellen nicht auf die Umgebung reagieren. Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es erlaubt war in öffentlichen Gebäuden zu rauchen? Da lief sogar niedrig legiertes Silber durch Schwefelstoffe einer Zigarre an.

Wenn dann verunreinigte, stark fragmentierte Objekte zu Ihnen in die Werkstatt gelangen, läuft eine Restaurierung bei  allen Objekten in einer bestimmen Reihenfolge ab oder variiert das Vorgehen bei jedem Objekt?

Die vorliegenden Objekte sind meist so individuell, dass eine starre Abfolge der einzelnen Restaurierungsschritte gar nicht möglich ist. Zuerst fragt man sich grundsätzlich, ob es z.B. Vergleichstücke gibt. Je nach Objektgattung, sei es archäologisch, kunstgeschichtlich oder aus der Neuzeit, variiert die Herangehensweise. Dann stellen wir uns auch Fragen, ob z.B. eine Korrosion am Objekt gewünscht oder unerwünscht ist. In Abstimmung mit Wissenschaftlicher*innen wird dann beispielsweise festgelegt welcher Korrosionsgrad erhalten bleibt.

Die Methodik änderte sich in den letzten Jahren. Mittlerweile werden eher konservatorische Maßnahmen statt restauratorische Eingriffe durchgeführt. Bei einem neuen Farbauftrag wird darauf geachtet, dass die neue vom Restaurator aufgebrachte Farbschicht reversibel ist. So könnte ein Objekt zuerst mit Lack überzogen werden und anschließend mit Aquarell- oder Acrylfarben ergänzt werden. Vor Jahren war es „modisch“ Objekte schwarz zu pinseln. Zurzeit wird Rost mit Fixativ stabilisiert. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Metallobjekte mit Wachsen und Lacken konserviert werden. Wir Restaurator*innen können Objekte aber auch künstlich altern lassen und z.B. mit Ammoniakdämpfen eine Patina verleihen.

Wird Metall eigentlich geklebt oder geschweißt?

Beides! Landmaschinen werden beispielsweise geschweißt, manche Objekte werden auch gelötet. Die beste Methode Objekte zu vervollständigen ist aber die Option Kleber einzusetzen. Da diese Methode reversibel ist. Dazu wird Kleber aus Epoxidharz verwendet. Die verwendeten Mittel werden von uns angemischt, alle Restaurator*innen haben quasi ein eigenes „Kochbuch“. Viele verwendete Mittel, auch zur Reinigung, sind zum Glück nicht mehr so stark chemisch und gesundheitsgefährdend. Was die Reinigung von Objekten angeht, findet seit Jahren auch ein Umdenken statt. So werden Objekte mittlerweile eher mechanisch statt chemisch gereinigt.

Kommen wir zur letzten Frage und nochmal auf Ihre extrem abwechslungsreiche Tätigkeit zu sprechen. Welche Aufgaben erledigen Sie neben der klassischen Restaurierung/Konservierung am Objekt?

In den Magazinen lagern viele Objekte, die gepflegt werden müssen. Dabei werden Objekte nicht nur „abgestaubt“. Oft sind Metallobjekte auch mit anderen Materialen so verbunden, dass zum Beispiel bei einer Rüstung die Lederriemen gepflegt werden müssen, damit das Leder nicht spröde wird. Dann kümmere ich mich mit meinen Kolleg*innen auch um die Bestückung von Sonderausstellungen. Hier betreuen wir neben den Exponaten aus der eigenen Sammlung auch Leihgaben von anderen Museen. Dazu gehört das Protokollieren des Zustandes der Objekte, aber auch die Zusammenarbeit mit den Kurier*innen. Manchmal fertigen wir auch Abformungen an oder stellen Kopien her.

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