| Dr. Sarah Babin

Tapetenwechsel

Ausstellungskuratorin Dr. Sarah Babin gibt in diesem Blogbeitrag einen Blick hinter die Kulissen. Was genau passiert in den Ausstellungsräumen bis eine Sonderschau eröffnet? Das erfahrt ihr hier am Beispiel unserer aktuellen Sonderausstellung „Brueghel. Ein Meisterwerk restauriert“.

Nach der Ausstellung heißt vor der Ausstellung:

Nachdem die Ausstellung Dressed for success: Matthäus Schwarz. Ein Modetagebuch im 16. Jahrhundert im August abgebaut war, konnten wir mit dem Aufbau der nächsten Ausstellung starten. Die Innenarchitektur und Raumgestaltung wurde in den vorherigen Monaten gemeinsam mit einem Architektenteam erarbeitet. Nun galt es diese auch umzusetzen! Das bedeutete zunächst alte Wände raus, neue Wände rein.

Dann kamen die Maler an die Reihe, die mit den von uns in vielen Stunden ausgesuchten Farben die Wände in neuem Glanz erstrahlen ließen.

Habt ihr gemerkt, dass die grüne und rote Farbe aus unserem Brueghel Gemälde stammen? Und es ist tatsächlich nur ein Grünton, durch die unterschiedliche Beleuchtung aber, wirkt es so, als hätten wir mehrere Töne verwendet. Genialer Kniff, nicht wahr?

Für das Hauptstück der Ausstellung, Brueghels „Kreuztragung“, wurde als Wandfarbe Rot gewählt. Unser neues Meisterwerk ist das Highlight der Ausstellung – eine spezielle Wandfarbe nur für das großformatige Gemälde bringt es richtig zum Strahlen.

Eine kleine Anmerkung: Ein weiterer Pluspunkt für das Rot – Brueghels „Kreuztragung“ wird zukünftig seinen Platz in der Gemäldegalerie auf einer ebenfalls auf einer roten Wand einnehmen.
Der Raum, in dem die Restaurierung gezeigt wird, ist ein tiefes Blau getaucht. Blau ist die Farbe der Wissenschaft und soll so unterstreichen, dass auch Restaurierung eine Wissenschaft ist.

Der dritte Schritt war der umfangreichste: die Anbringung der 62 Tafeln im zweiten Raum. Hier zeigen wir im zweiten Teil der Ausstellung die einzelnen Schritte der Restaurierung. Dazu kommt die Installation der sechs Leuchtkästen und vier Bildschirme, auf denen ihr einzelne Schritte der Restaurierung im Video mit verfolgen könnt.

Dazu kam außerdem die Beschriftung an den Wänden. Diese wurde von einer externen Firma angebracht. Im Foto seht ihr unsere Restauratorinnen, die nochmal letzte Hand anlegen…

Aber nicht nur im zweiten Raum gab es Tischlerarbeiten, auch die Stelen im ersten Raum, durch die man das Brueghel Gemälde in Überlebensgröße durchschreiten kann, mussten aufgestellt werden.

Und dann konnten wir endlich die Kunst in die Ausstellung holen! Alle Kunstwerke, die wir in dieser Ausstellung präsentieren, sind aus den Beständen des Herzog Anton Ulrich-Museums und zeigen  die Vielfalt unserer Sammlungen. Bei Ausstellungsstart  haben wir drei Gemälde sowie 17 Kupferstiche und Radierungen aus unserem Kupferstichkabinett gezeigt.

(Kleine Anmerkung: Mitte Februar mussten wir die Graphiken austauschen, da sie aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit nur drei Monate gezeigt werden dürfen. Aber gottseidank ist unser Kupferstichkabinett gut ausgestattet, sodass wir bis auf vier Werke alle durch ein zweites Exemplar ersetzen konnten. Die übrigen Objekte wurden durch Reproduktionen ausgetauscht.) Es folgte das Füllen der Vitrinen im zweiten Raum. Unsere Restauratoren haben hier mit viel Gespür und Liebe die Materialen und ihr tägliches Werkzeug arrangiert.

Aber auch der museumspädagogische Bereich, unsere „Brueghel Werkstatt“, musste hergerichtet werden, damit ihr, die Besucher*innen, euch kreativ mit dem Bildmotiv auseinander setzen könnt.

Alles in allem hat der Aufbau der Ausstellung zehn Wochen gedauert. Nicht eingerechnet ist hier die Zeit der Vorbereitung, der Konzeptentwicklung, das Schreiben des Kataloges, der Ausstellungstexte und so weiter…

Aber das ist eine andere Geschichte!

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