| Dr. Ralf Kosma

Vermehrung bei Pythons und Boas

Nachwuchs zum Welt-Schlangen-Tag 2021

Am 16. Juli wird alljährlich der Welt-Schlangen-Tag begangen. Passenderweise kündigte sich im Naturhistorischen Museum bei den Boas dieses Jahr Nachwuchs an. Und wir hatten das Glück, neben den Jung-Boas auch ein Königspython-Gelege beobachten zu können.

Pythons

Riesenschlangen, zu denen Pythons und Boas gehören, sind relativ ursprüngliche Schlangen. So finden sich bei einigen Arten noch reliktartige Überreste der Hinterbeine, denn ihre Vorfahren waren echsenartig und besaßen funktionsfähige Beine. Diese Beinrelikte sind krallenartig und finden sich bei den Männchen vieler Pythons. Sie werden bei der Paarung eingesetzt, um das Weibchen zu stimulieren. Die Vorfahren des Grünen Baumpythons aus dem Bestand des Staatlichen Naturhistorischen Museums stammen von der Inselgruppe Aru in Indonesien. Er und seine Familie befinden sich aber bereits seit mehreren Generationen in Deutschland.

In der Natur würden Königspythonweibchen ihre Eier unter den gleichmäßigen Klimabedingungen innerhalb eines Termitenhügels ausbrüten. Dabei umschlingen die Pythonweibchen ihr Gelege und schützen die relativ großen Eier gegen Fressfeinde. In unserem Terrarium ist es sinnvoller, die Eier in einen Inkubator zu überführen, der gleichbleibende Temperaturen und konstante Luftfeuchtigkeit garantiert. Bis die Jungtiere aus den Eiern schlüpfen dauert es ungefähr 60 Tage, der Zeitraum hängt aber von der gewählten Bruttemperatur ab.

Beim Durchleuchten der Eier nach 4 Wochen Brut zeigen sich deutliche Blutgefäße und die sich bewegenden Embryos. Es wird aber noch über 4 Wochen dauern bis zum Schlupf der jungen Pythons.

Boas

Die Boa constrictor heißt zu Deutsch auch Abgottschlange. Im Gegensatz zu den eierlegenden Pythons, gebären Boas lebende, fertig entwickelte Jungtiere.

Die Boa-Babies im Film erblickten am 2. Juni 2021 im Naturhistorischen Museum das Licht der Welt, nachdem sie sich aus ihren weichen Eihäuten gezwängt haben. Bei diesem Wurf waren es immerhin 28 quietschfidele Jungtiere! Etwa 3 Wochen nach der anstrengenden Geburt häuten sich die Babies erstmals und erst danach fressen sie zum ersten Mal in ihrem Leben.

Zunächst bleiben die Kleinen noch gern mit ihren Geschwistern zusammen und bilden ein regelrechtes Knäuel.

Jede der kleinen Jungboas hat nun die Chance auf ein eigenständiges Leben, das mehrere Jahrzehnte dauern kann.

Verbreitung und Stammesgeschichte von Pythons und Boas

Heute besiedeln die Pythons in erster Linie die Alte Welt und sind in Afrika, Asien und Australien weit verbreitet. Die Boas leben überwiegend in der Neuen Welt in Nord- und Südamerika, aber auch beispielsweise in Madagaskar, wie die nur dort zu findenden Madagaskarboas. Aber auch Sandboas leben in der Alten Welt, zumeist eingegraben im Sand. Doch wie kommt diese eigenartige Verbreitung zustande?

Um die Antwort zu finden, muss man viele Jahrmillionen in die Erdgeschichte zurückreisen. Denn Fossilien von Boas findet man in Sedimenten, die bis zu 50 Millionen Jahre alt sind. Und zwar in der Alten Welt, sogar im heutigen Deutschland. Forschungen ergaben, dass die Boas erdgeschichtlich älter sind als die Pythons. Die Boas waren ursprünglich fast weltweit verbreitet, wurden aber von den Pythons nach und nach verdrängt. Nur dort, wo die Pythons nicht hin gelangten, konnten die Boas weiter existieren. Und dies war vor allem in Amerika und Madagaskar der Fall.

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  • Stefanie Winter am 16.07.2021
    Vielen Dank für das tolle Video.
    Darf man fragen, was mit den Jungtieren passiert?
    • Annika Beckmann (3Landesmuseen) am 16.07.2021
      Liebe Stefanie,

      danke für das Kompliment!
      Die Jungtiere bleiben noch eine ganze Weile bei uns, bevor sie an andere Museen vermittelt werden.

      Viele Grüße aus dem Museum!

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