| Annika Beckmann

Zimmer frei!?

Insektenhotel - aber richtig!

Seit Mai 2020 sprießen bei uns im Burggraben theoretisch 39 Wildkräuter-Arten aus der Region rund um Braunschweig, die besonders auf die Bedürfnisse von Insekten abgestimmt wurden. Im April, etwa 11 Monate nach der Aussaat, konnten wir 12 der 39 Arten identifizieren (mehr dazu bald in einem Folgeartikel). Wir sind gespannt was im Laufe des Jahres noch alles aufblüht. Diese Aktion, die durch das Wildbienenprojekt des Julius-Kühn-Instituts und der Stadt Braunschweig ins Leben gerufen wurde, ist eine Reaktion auf das Artensterben unter den Fluginsekten. Insbesondere die sogenannte „Krefelder Studie“ sorgte diesbezüglich 2017 für Aufsehen: Laien-Wissenschaftler*innen (sogenannte Citizen Scientists) hatten über Jahre hinweg die Biomasse (vereinfacht: das Gesamtgewicht der gefangenen Insekten) von Fluginsekten ermittelt und stellten über 27 Jahre einen dramatischen Rückgang von mehr als 75% fest.

Grünflächen mit Wildkräutern im Stadtgebiet, wie bei uns im Burggraben, sollen das Nahrungsangebot für Insekten und so dem Verlust der Artenvielfalt entgegenwirken. Dadurch verbessern sich auch die Nahrungsbedingungen für Vögel und Fledermäuse, die auf ausreichend Insekten angewiesen sind.

Neben der passenden Nahrung werden Insekten auch immer wieder Nisthilfen oder Überwinterungsmöglichkeiten angeboten, sogenannte Insektenhotels. Aber Vorsicht: Nicht jedes Insektenhotel ist geeignet und sie sind auch kein Allheilmittel. Viele Insekten suchen sich ihre Nistplätze im Boden und nehmen Insektenhotels daher gar nicht an. Zudem sind viele verwendete Materialien oder Konstruktionen, die es im Handel zu kaufen gibt, als Obdach für Insekten und für ihre Fortpflanzung meist gänzlich ungeeignet.

    Wenn es also ein Insektenhotel sein soll, dann in Kombination mit einer artenreichen, naturnahen Gestaltung des Gartens oder des Balkons und am besten aus folgenden Materialien:

    • Gut getrocknetes Hartholz (z.B. von Eiche, Ulme oder Eiche) mit sauberen Bohrlöchern (Durchmesser 0,2 bis 0,8 cm) rechtwinklig zur Faser des Holzes und nicht mit dem Verlauf der Faser. Weichhölzer neigen, gerade bei feuchter Witterung, zum Ausfransen und können so die empfindlichen Flügel der Insekten gefährden.
    • Hohle Pflanzenstängel (z.B. Schilf oder Bambus)
    • Markhaltige Stängel (z.B. Brombeerranken, die am besten senkrecht angebracht werden)
    • Gebrannter Ton mit Löchern (Durchmesser 0,2 bis 0,8 cm)
    • Senkrecht stehende Kisten, die mit einer Sand/Lehm-Mischung gefüllt sind

    Andere Materialien wie Kiefernzapfen, lose Äste und Lochziegel scheinen ein Insektenhotel aus Menschensicht zwar vielseitiger und optisch ansprechender zu machen, werden aber kaum von  schützenswerten Insekten besiedelt und sind deshalb überflüssig.

    Alternative Wohnprojekte

    Neben den „klassischen“ Insektenhotels, gibt es noch weitere Möglichkeiten um den Garten möglichst einladend für Insekten zu gestalten. Schon ein großer Blumentopf oder eine senkrecht stehende Kiste mit ungewaschenem, lehmhaltigen Sand gefüllt kann z.B. von Sandbienen und Grabwespen besiedelt werden. Auch „brachliegende“ Gartenbereiche mit sandigem Boden oder Rasenflächen, die nicht zu dicht bewachsen sind, können wertvolle Rückzugsmöglichkeiten für bodenlebende Wildbienen sein.

    Generell gilt: In einem abwechslungsreichen Garten suchen sich Insekten von ganz alleine ihre Bleibe. So bieten Trockenmauern, also Mauern mit unverputzten Zwischenräumen, oder auch liegengelassenes Totholz einen geeigneten Unterschlupf für allerlei Tierchen.

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