Ausstellung
Die Ausstellung ist ab dem 19. September 2026 für Besucher*innen geöffnet.
Herzog Anton Ulrich-Museum
Museumstr. 1
38100 Braunschweig
Erwachsene 9,00 € | ermäßigt 7,00 € | Kinder (6–17 Jahre) 2,00 €
barrierefrei
Gerd Winner, 2024
© Marian Winner
In Erinnerung an den international renommierten Künstler Gerd Winner (1936–2026) zeigt das Herzog Anton Ulrich-Museum ab dem 19. September 2026 erstmals eine Serie von bislang unveröffentlichten Tuschezeichnungen aus seiner Studienzeit. Diese frühen Blätter zeugen von einer prägenden Schaffensphase des Künstlers und offenbaren zugleich die tiefen Spuren seiner Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.
Gerd Winner erschienen die Tuschezeichnungen weit über ihre Entstehungszeit hinaus als „Visionen der Apokalypse“: „Mit acht Jahren erlebte ich die Heimatstadt Braunschweig in den Feuernächten des Oktober 1944, evakuiert bei meinen Pateneltern auf dem Güterbahnhof in Ehmen. Zu Fuß machte ich mich mit meinem Paten auf den Weg nach Braunschweig, um die Eltern zu suchen. Der Weg durch die brennende Ruinenstadt glich Dantes ‚Inferno‘. Die Bilder dieses Weges kehren zurück, bis auf den heutigen Tag. Kurz nach dem Abitur erhielt ich die Zulassung von der Berliner Hochschule für bildende Künste. Die Frontstadt des Kalten Krieges konfrontierte mich mit den sichtbaren Dramen des Zweiten Weltkrieges.
Meine Bilder zeigten Brandmauern, Ruinen und Torsi. Die Spuren des Kriegsgeschehens kehrten zurück, auch in den Tuschezeichnungen von 1957 mit dem Titel ‚Der Krieg nach dem Krieg‘. ‚Der Krieg nach dem Krieg‘ war eine Möglichkeit mit den Mitteln der Zeichnung, Gegenwart und Vergangenheit zu deuten. Erst langsam erfuhren wir den ganzen Schrecken, den wir zeitnah als Kinder und Jugendliche miterleben mussten, ohne ihn zu verstehen. Fragen, die sich in den Weg stellten, mit Deutungen, die erneute Fragen aufbrachten, um hinter der erfahrenen Wirklichkeit den Sinn zu suchen.
Die Spurensuche des eigenen Weges begann in Berlin mit Rückprojektionen und der Hoffnung auf die Zukunft der Stadt. Erst der unbewusste und zudem ungeplante Rückzug aus dem Drama der urbanen Kulturen bestärkte meine Rückbesinnung auf die Zeichnung. Das Drama des Konzentrationslagers, erfahrbar in meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Bergen-Belsen [Haus der Stille, 2000], führte zu dem Rückzug in die inneren Welten der Passion. In diesen Zeichnungen versuche ich gar nicht erst das Thema des Krieges in den künstlerischen Fokus zu transponieren. Es waren ganz persönliche Niederschriften der Passion des Menschen in der Projektion auf die Passion Christi, zudem auch meiner unbewältigten Ereignisse.“
Gerd Winner wurde in Braunschweig geboren und lebte in Liebenburg. Mit seiner langjährigen Professur für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste München prägte er Generationen junger Künstler*innen. Zahlreiche Kunstpreise würdigen seinen künstlerischen Werdegang und seine Werke sind in vielen renommierten Sammlungen wie beispielsweise der Albertina in Wien, dem Kupferstichkabinett in Berlin, dem Museum of Modern Art in New York, der Staatlichen Graphischen Sammlung in München, der Tate Gallery sowie dem Victoria and Albert Museum in London vertreten.
Das Herzog Anton Ulrich-Museum fühlt sich Gerd Winner in besonderer Weise verbunden: Ein umfangreicher Werkbestand in der Sammlung sowie bedeutende gemeinsame Ausstellungen, unter anderem in den Jahren 1972, 2012 und 2021, zeugen davon.
Gerd Winner, o. T., aus der Serie „Der Krieg“, 1957, Tusche auf Papier
© Graphisches Atelier Winner
Gerd Winner, o. T., aus der Serie „Der Krieg“, 1957, Tusche auf Papier
© Graphisches Atelier Winner
Gerd Winner, o. T., aus der Serie „Der Krieg“, 1957, Tusche auf Papier
© Graphisches Atelier Winner

